Kindesunterhalt berechnen | © panthermedia.net / Birgit Korber

Neue Änderung der Düsseldorfer Tabelle – der Unterhalt für Kinder wird höher

Die Düsseldorfer Tabelle als verbindliche Richtlinie für die Berechnung des Kindesunterhaltes wird regelmäßig aktualisiert, um den gestiegenen finanziellen Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerecht zu werden. Eingeführt im Jahr 1962 durch das Oberlandesgericht Düsseldorf hat sie zwar keine Gesetzeswirkung, dient aber gleichwohl den Gerichten als Richtschnur bei der Festsetzung von Unterhalt. Zur Vermeidung eines Rechtsstreits können sich Unterhaltsverpflichtete ebenfalls an der Düsseldorfer Tabelle orientieren und den Kindesunterhalt freiwillig entrichten.

Grundsätzliches zur Unterhaltspflicht

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Jedes Kind zwischen 0 und 18 Jahren hat gegen beide Elternteile einen Anspruch auf Unterhalt, soweit es seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen sicherstellen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, ob dieses Kind ehelich oder nichtehelich geboren ist.

Der grundsätzliche Anspruch auf Unterhalt ist im 4. Buch des BGB, Titel 3 – Unterhaltspflicht – geregelt. Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet seinen Unterhalt in der Regel durch Naturalleistungen, also Pflege und Erziehung, Kleidung, Ernährung, Wohnraum und Taschengeld.

Der Elternteil, der nicht mit dem Kind zusammenlebt leistet diesen Unterhalt als Barleistung. Wie hoch diese Barleistung ist, richtet sich nach dem anrechenbaren Einkommen des Unterhaltspflichtigen nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Unter bestimmten Umständen können dem Verpflichteten Sonderkosten, z.B. die Rückzahlung von Schuldverpflichtungen oder erhöhte Werbungskosten einkommensmindernd anerkannt werden. Fällt für das Kind ein Sonderbedarf, z.B. durch eine Klassenfahrt an, tragen diesen beide Eltern zu gleichen Teilen.

Gegenüber minderjährigen Kindern sind Eltern gesteigert unterhaltspflichtig, das heißt, es werden strengere Maßstäbe an das anrechenbare Einkommen gelegt, als bei volljährigen Kindern. Der Selbstbehalt beträgt in der untersten Stufe für Nichterwerbstätige 880,00 EUR und für Erwerbstätige 1.080,00 EUR. Dieser Selbstbehalt steigt pro Unterhaltsstufe um jeweils 100,00 EUR. Die Kosten für eine Warmmiete in Höhe von 380,00 EUR sind bereits enthalten. Ist die Miete im Einzelfall nachgewiesen höher, soll auch der Selbstbehalt erhöht werden.

Einkommen, welches das Kind aufgrund einer Ausbildung bezieht, wird nach Abzug einer Pauschale von 90,00 EUR für ausbildungsbedingten Mehrbedarf auf den Unterhalt angerechnet.

Das Kindergeld für Minderjährige steht beiden Elternteilen zu. Zur Vereinfachung ist die Hälfte in allen Stufen bereits abgezogen. Volljährige haben dagegen selbst einen Anspruch auf Kindergeld. Dies ist als Einkommen anrechnungsfähig und bereits in voller Höhe in die Tabelle eingearbeitet.

Was ändert sich ab 2017?

Duesseldorfer Tabelle 2017 | © panthermedia.net / Boris Zerwann

Duesseldorfer Tabelle 2017 | © panthermedia.net / Boris Zerwann

Inhaltlich hat sich im Vergleich zur Fortschreibung 2016 nichts verändert. Einzig die Bedarfssätze für den geschuldeten Kindesunterhalt werden zum 01.01.2017 erhöht: Der Mindestunterhalt für Kinder bis zum 5. Lebensjahr wird von 335,00 EUR auf 342,00 EUR, für Kinder zwischen 6 und 11 Jahren von 384,00 EUR auf 393,00 EUR und für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren von 450,00 EUR auf 460,00 EUR angehoben. Für volljährige Kinder, die im Haushalt des anderen Elternteils leben, beträgt der Mindestunterhalt in 527,00 EUR.

Bei den vorgenannten Beträgen handelt es sich um den Mindestunterhalt, der dem Kind zusteht und bei einem bereinigten Einkommen bis zu 1.500,00 EUR gefordert wird.

Die Höhe der Einkommensstufen hat sich nicht verändert, der Unterschied zwischen den einzelnen Stufen beträgt nach wie vor 399,00 EUR. Nachdem im Jahr 2015 der Selbstbehalt, also der Betrag, der dem Unterhaltspflichtigen für seinen eigenen Lebensunterhalt verbleiben muss, angehoben wurde, hat sich das Niveau für 2017 ebenfalls nicht verändert. Lebt ein volljähriges Kind in einer eigenen Wohnung, hat es einen Unterhaltsanspruch von insgesamt 735,00 EUR. Dieser Betrag muss von beiden Elternteilen aufgebracht werden. Der Anteil wird prozentual je nach Einkommen der Eltern festgesetzt. Da man einem volljährigen Kind gegenüber nicht gesteigert unterhaltspflichtig ist, beträgt der notwendige Selbstbehalt in dem Fall mindestens 1.300,00 EUR.

Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, das Kindergeld in 2017 zu erhöhen. Datum und tatsächliche Höhe sind jedoch noch nicht rechtskräftig. Da die Düsseldorfer Tabelle unter Anrechnung des Kindergeldes aufgestellt wird, kann die jetzt veröffentlichte Tabelle allenfalls als vorläufig angesehen werden. Sobald der neue Kindergeldbetrag Rechtskraft erlangt, wird sie noch einmal angepasst werden müssen.

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